Unsere Monopolmedien – unwissend oder bewusst irreführend?

Mitglieder der
Mitglieder der „Damas de Blanco“ beim Verlassen der amerikanischen Interessenvertretung in Havanna. Foto: Screenshot youtube, http://www.cubadebate.cu

In regelmäßigen Abständen, erscheinen in Zeitungen politisch gefärbte Artikel über Kuba. Zum Beispiel in der NZZ (Neue Zürcher Zeitung). Vielleicht werden wir hier mal einen Beitrag veröffentlichen, wo wir einige dieser NZZ- Artikel über Dissidenten in Kuba oder angeblichen Menschenrechtsverletzungen Kubas etc. „auseinandernehmen“. Vielleicht ist es jedoch nicht mal mehr notwendig antikubanische Hetzartikel zu berichtigen. Es haben nämlich schon andere vor uns über diese Artikel geschrieben und dabei gute Arbeit geleistet. Im Falle der NZZ, sind die Hetzartikel vielfach von einem in Costa Rica residierend Journalisten/Frühpensionär Peter Gaupp geschrieben, der offensichtlich nicht viel über Kuba weiss. Bestes Beispiel für Herr Gaupps schlecht recherchierte Artikel sind nämlich seine „zuverlässigen“ Informationsquellen in Kuba. Wir zitieren hier kurz einem Leserbrief, der sich auf Peter Gaupps’s Artikel vom 18. Mai 2012, „Kein Platz für Opposition in Kuba“ bezieht:

Peter Gaupps Artikel „Kein Platz für Opposition in Kuba“ vom 18.5.2012 (http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/kein-platz-fuer-opposition-in-kuba-1.16936146)  hat sich einen Gegenstandpunkt redlich verdient. Von Elizardo Sánchez als der „zuverlässigsten Quelle“ zu reden, dazu gehört entweder Chuzpe oder völlige Ahnungslosigkeit. Es ist erst ein ¾ Jahr her, dass man sich bei der Erwähnung seines Namens vor Vergnügen auf die Schenkel klopfte. Sánchez hatte vor der Agentur ANSA zugegeben, die Liste vorgeblicher politischer Gefangener in Kuba mit falschen Namen aufgeforstet zu haben – u.a. mit einem bolivianischen Fußballer, vier peruanischen Volleyball-Spielerinnen sowie einem spanischen Maler aus dem 18. Jahrhundert (Cubadebate vom 8. September 2011, mit Fotos). Dass diese Meldung nicht so wirklich der Renner in den bürgerlichen Medien war, ist nachzuvollziehen. Dass Elizardo Sánchez nach seinem journalistischen Harakiri nunmehr künstlich wiederbelebt wird, ist es nicht. Im Grunde könnte der Leserbrief hier zuende sein, denn ein Informant, der sich der Lächerlichkeit preisgegeben hat, killt letztendlich den gesamten Artikel!

(vollständiger Leserbrief [pdf Dokument – auf öffnen klicken!])

Nun möchten wir jedoch einen Schweizer zu Wort kommen lassen, der im Gegensatz zu Herr Gaupp, schon seit Jahren in Kuba lebt:

Felix Auer antwortet einer Freundin auf einen NZZ-Artikel, den sie ihm zugeschickt hatte:

Liebe Claudine,

danke für den NZZ-Artikel! Es ist belustigend, wie sich sonst seriös recherchierende Zeitungen in Sachen Kuba einfach dem US/EU-Mainstream überlassen. Die Vereinigung Schweiz-Cuba reagiert jeweils mit Leserbriefen, die (immer gekürzt und oft verdreht abgedruckt werden). Meinerseits tue ich das nicht! Ich lebe hier in Kuba und weiss mehr als NZZ oder Tagesanzeiger (von BaZ ganz zu schweigen), die keine Korrespondenten in Kuba haben. Ihre Schreiberlinge berichten aus Mexiko, Brasilien, Costa Rica oder Chile. – Ihre aus dem Internet zusammengeschusterten Geschichtlein sind rührend! Einfach kurz zu den Facts:

In Kuba zirkulieren die Informationen nicht wie in Europa oder Amerika, das stimmt, und kein Kubaner wird dem widersprechen. Die so genannten „Dissidenten-Gruppen“ gibt es, es sind vielleicht 300, 400 oder 600 Leute. (Kuba hat 11.5 Mio. Einwohner). Kein Kubaner, keine Kubanerin, die ich je getroffen habe (auch solche, die wie Rohrspatzen auf die Regierung schimpfen), hatte je ein gutes Wort für diese Leute übrig, keiner! Dissident sein ist ein business, aber ein „bad business“: alle beziehen ihren Lohn bei der US-Interessenvertretung in La Habana (WIKI-Leaks hat die Gehaltslisten der US-Vertretung veröffentlicht … all jene „damas en blanca“ und andere „Menschenrechts-Schreier“). Dafür werden sie hier selbstverständlich bestraft. Kein Rechtsstaat auf der Welt erlaubt seinen Bürgern Nachrichtendienste zu Gunsten anderer Staaten, und am wenigsten zu Gunsten von Staaten, die mit ihnen im Krieg stehen. Die Regierung der USA steht mit Kuba seit über 50 Jahren im Krieg! Die USA mit Kuba! Nicht umgekehrt!

Vergleiche sind immer holprig – ich weiss – doch diese 53 „dissidenten“ Kubaner sind nun wirklich weniger eine Meldung wert als die Tausenden und Abertausenden von Schwarzen, die in US-Gefängnissen einsitzen, einfach weil sie schwarz sind, oder jene 146 Afghanen, Pakistani etc., die seit Jahren ohne Gerichtsurteil in den Kerkern von US-Guantanamo schmoren. —- Kuba ist nicht heilig, bei weitem nicht, doch vom Teufel geritten werden wirklich andere! Nicht Kuba.

Herzlichst! Felix

(April 2015)

Damit beenden wir diesen Blogeintrag im Wissen, dass wir das Thema nur angeschnitten haben und es noch sehr viel zu berichten gäbe. Natürlich könnt ihr uns jederzeit auch Leserbriefe, eigene Artikel oder Interviews zusenden. (kubainfos@gmx.ch) Dieser Blog soll nicht nur über Kuba berichten, er soll auch eine Plattform für Personen sein, die sich zu Kuba äußern möchten.

Zum Schluss noch einen Artikel, den wir all denen empfehlen können, die sich über die Machenschaften der kubanischen Dissidenten informieren wollen:

„Das Medienspektakel mit den kubanischen „Dissidenten“. Ein Blick hinter die Kulissen eines schmutzigen politischen Geschäfts“

(kubainfos)

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Der Propagandakrieg der USA und die kubanische Zivilgesellschaft

 „ewige/unsterbliche junge Rebellen“  Foto Raúl Ángel Pupo Olivares, Kundgebung in Havanna
„ewige/unsterbliche junge Rebellen“
Foto Raúl Ángel Pupo Olivares, Kundgebung der FEEM und UJC in Havanna 2012

In den bürgerlichen Medien wird über eine Öffnung Kubas zum Kapitalismus, den Beziehungen zu den USA und den angeblichen Menschenrechtsverletzungen berichtet. In Kuba ist eine andere Debatte im Gange: Die kubanische Zivilgesellschaft und Ihre politischen und sozialen Aufgaben.

Wie so häufig wird in Kuba an Arbeitsplätzen, in Intranetforen, TV-Diskussionen und Quartierversammlungen über den Stand und die Aufgaben der kubanischen Zivilgesellschaft diskutiert. Auch die US-Regierung will mit der kubanischen Zivilgesellschaft reden. Doch darüber, wer die Zivilgesellschaft darstellt, sind sich die USA und Kuba uneinig. Nachdem sich am Amerika-Gipfel 2012 nahezu alle Länder Lateinamerikas einig waren, dass die sozialistische Karibikinsel  am nächsten Gipfel dabei sein soll, hat nun die USA für das Jahr 2015 doch kein Veto gegen eine Teilnahme Kubas eingelegt. Dass Kuba am diesjährigen Amerika-Gipfel in Panama dabei sein durfte, liegt an der Tatsache, dass viele Länder Lateinamerikas diesen Gipfel boykottiert hätten, wenn die USA Kuba erneut ausgeschlossen hätten. Die USA haben jedoch vor dem Gipfel betont, dass sie die „kubanische Zivilgesellschaft“ dabei haben will. Für die USA besteht die kubanische Zivilgesellschaft hauptsächlich aus den Gegnern des revolutionären Prozesses. Darunter zählen die rund 160, mittlerweile zerstrittenen, Damas de Blanco und die ebenfalls von den USA finanziell unterstützte Bloggerin Yoani Sanchez (jungeWelt 29.10.2014) Es zeigt sich, dass die Vereinigten Staaten im Bezug auf Kuba ihre Taktik ändern. Da ein halbes Jahrhundert Wirtschaftsblockade seinen Zweck nicht erfüllt hat, wird nun versucht vor allem die jüngere Generation mit netten Worten wie „Todos somos Americanos“ (Zitat Rede Obama) und einem Annäherungskurs zu beeinflussen, um einen „Regime Change“ zu provozieren. Neu ist diese Taktik nicht. Schon andere Versuche, wie das vom USAID finanzierte ZunZuneo, gingen in diese Richtung. Dieser Kurznachrichtendienst wurde vorgeblich als Nachrichtenservice aufgebaut, zielte jedoch darauf ab, die kubanische Jugend zur Rebellion zu bewegen.

Wer schliesst hier wen aus?

Raul Castro hat am 28.01.2015 in seiner Rede am CELAC-Gipfel betont, dass er bei solchen Gipfeln immer die Zivilgesellschaft dabei haben möchte. Jedoch werde sie regelmässig „unter brutaler Polizeirepression hinter Stahlzäune […] weggedrängt, wenn sich die G7 oder der Internationale Währungsfonds versammeln“. Der Präsident versicherte, dass Vertreter der kubanischen Zivilgesellschaft in Panama anwesend sein würden und er hoffe, dass es keine Beschränkungen für die Nichtregierungsorganisationen seines Landes geben werde. Er spielte den Ball somit zurück und forderte, dass auch Menschen die sich gegen Neoliberalismus, Kapitalismus, Repression und rassistische Politik einsetzen, teilnehmen können. Zu den provokativen Aussagen Obamas betreffend der „kubanischen Zivilgesellschaft“ meinte er:  „Die USA haben die Methoden, nicht aber die Ziele ihrer Politik verändert.“

Die Vielfalt der kubanischen Bevölkerung

In Kuba gibt es neben der kommunistischen Partei (PCC, 800.000 Mitglieder) insgesamt mehr als 2200 Organisationen, aus der sich die kubanische Zivilgesellschaft zusammensetzt. Dazu gehören sowohl soziale Massenorganisationen, wie auch technische, wissenschaftliche oder kulturelle Vereinigungen und auch sportliche Vereine (siehe Auswahl in Infobox). Sie werden im Artikel 7 der kubanischen Verfassung anerkannt. Für die Repräsentativität, Mobilisierungsfähigkeit und offene Mitgliedschaft, garantiert das kubanische politische System diesen Nichtregierungsorganisationen weit reichende Befugnisse für Beratung, Meinungsbildung und auch Entscheidungsgewalt als Ausübung der partizipativen Demokratie. Die freiwillig organisierten Mitglieder entscheiden in Treffen und Kongressen über Themen und Stossrichtungen. Tätigkeiten und Aktionen müssen nicht von der Regierung abgesegnet werden. Ein Beispiel dazu ist die Föderation der kubanischen Frauen (FMC), die das Ziel hat die Gleichberechtigung und Emanzipation der kubanischen Frau in allen Bereichen und Ebenen der Gesellschaft voranzutreiben. Unter anderem kann in dieser Organisation z.B. der noch nicht überwundenen Machismus thematisiert werden. Es ist eine sehr wichtige, selbstbestimmte Organisation, die ihre durch die Revolution erkämpften Rechte stetig verteidigt und weiterentwickelt. Diese vielen Organisationen machen die starke basisdemokratische Zivilgesellschaft aus. Nicht eine Handvoll bezahlter Dissidenten, die den USA dazu dienen, Kuba als Unrechtsstaat hinzustellen und so Mittel zum Umsturz zu legitimieren. Die Kubaner sind sich ihrer Geschichte sehr wohl bewusst und organisieren die diesjährigen 1. Mai-Feierlichkeiten unter der Parole “Unidos en la construcción del socialismo” (Vereint im Aufbau des Sozialismus). Der Aufbauprozess geht also nicht zu ende, er geht erst recht voran.

(Kubainfos/agj www.aufbau.org)

ausführlicher:
ausführlicher: „https://cubaheute.wordpress.com/politik/massenorganisationen“