Eine demokratische Debatte der kubanischen Bevölkerung über die Zukunft Kubas

Vom 15. Juni bis zum 20. September findet mit den Vertretern der Massenorganisationen, breiten Sektoren der Gesellschaft und Mitgliedern der Partei und der Union der Jungen Kommunsten im ganzen Land eine demokratische Debatte über die Zukunft Kubas statt. Jede/r KubanerInn soll über die Zukunft Kubas nicht nur mitreden, sondern auch mitbestimmen.

Unbenannt55.png

Von gestern bis zum 20. September wird im ganzen Land eine demokratische Debatte stattfinden, an der direkt Millionen von Kubanern teilnehmen werden. Es handelt sich um einen Prozess der Beratung mit den Mitgliedern der Partei und der Union der Jungen Kommunisten, den Vertretern der Massenorganisationen und breiten Sektoren der Gesellschaft über die Dokumente von größter Bedeutung, die vom 7. Parteitag diskutiert und analysiert wurden: die Konzeptualisierung des Kubanischen Wirtschafts- und Sozialmodells der Sozialistischen Entwicklung und den Nationalen Plan zur Wirtschafts- und Sozialentwicklung bis 2030: Konzept zur Vision von Nation, zu strategischen Achsen und Sektoren.

Diese sind nicht das Ergebnis von Improvisation, sondern sie haben sich aus der kollektiven Ausarbeitung ergeben, an der unter Führung der Partei Universitätsprofessoren, Akademiker, Wissenschaftler aus dem ökonomischen und sozialen Bereich, Beamte der Regierung und Parteifunktionäre teilgenommen haben. Beide Texte wurden bei Treffen des Politbüros und in zwei Plenen des Zentralkomitees debattiert, und allen Abgeordneten der Nationalversammlung und einigen Tausend Personen mehr zur Konsultation vorgelegt und anschließend erschöpfend vom Parteitag geprüft.

Unter der Maxime der unauflöslichen Bindung der Partei mit den Massen und ihr Vertrauen in deren Fähigkeiten, verabschiedete der Parteitag grundsätzlich beide Dokumente und beschloss das Zentralkomitee damit zu beauftragen, einen Konsultationsprozess mit dem klar definierten Ziel durchzuführen, diese zu bereichern und zu vervollkommnen.

Offensichtlich, wie dies aus dem Zentralen Bericht an den Parteitag hervorgeht „sind es umfassende Dokumente von großer Vielschichtigkeit, die die Richtung des kubanischen revolutionären Prozesses, die der Partei und der Gesellschaft hin zu einer Zukunft abstecken, die einen gedeihlichen und nachhaltigen Sozialismus aufbaut“.

Man hat intensiv daran gearbeitet und Ressourcen zur Verfügung gestellt, um zu gewährleisten, dass jedes Parteimitglied und jeder Bürger Zugang zu den Dokumenten hat. Deswegen wurden 680.800 Zeitungen im Tabloid Format mit jeweils 32 Seiten gedruckt, um sie in den Basisorganisationen und den Kollektiven zu verteilen, wo darüber debattiert wird; zusätzlich sind 200.000 Exemplare zum Verkauf bestimmt. Die digitalen Seiten der Partei, der Zeitung Granma und das Portal Cubadebate haben sie ebenfalls veröffentlicht, was dazu beiträgt, dass einer immer mehr computerisierten Gesellschaft das Studium dieser Dokumente erleichtert wird und außerdem ermöglicht wird, dass Zehntausende von kubanischen Mitarbeitern im Ausland darauf Zugriff haben.

Diese Schritte tragen dazu bei, dass die Diskussionen äußerst demokratisch, reich an Inhalten und konkret an Ideen und Projektionen sein werden.

Die Ausarbeitung der Konzeptualisierung erfüllt das von der Ersten Nationalen Parteikonferenz verabschiedete Ziel 65. Es nimmt die theoretischen Grundlagen und die wesentlichen Charakteristiken des Wirtschafts- und Sozialmodells auf, das wir als Ergebnis des Aktualisierungsprozesses anstreben und daher besitzt es den außerordentlichen Wert, als theoretische und konzeptuelle Anleitung für den Aufbau des Sozialismus in Kuba zu dienen.

Ihr Inhalt gibt die Vision von Nation wieder (in anderen Worten: den Staat, den man erreichen möchte), der als souverän, unabhängig, sozialistisch, demokratisch, gedeihlich und nachhaltig definiert wird.

Wie im Parteitag bereits ausgeführt, konnte man dort, wegen der großen technischen Komplexität, keinen fertiggestellten Nationalen Entwicklungsplan bis 2030 vorstellen, was im nächsten Jahr erreicht werden soll. Deswegen werden dessen Grundlagen debattiert, d. h. die Vision von Nation, die strategischen Achsen und Sektoren.

Beide Dokumente – das der Konzeptualisierung und der Plan – sind eng miteinander verknüpft. Wenn im ersten das Ziel, welches wir anstreben, ganz allgemein zum Ausdruck kommt, das präzise in der Definition der Vision von Nation zusammengefasst ist, wird im zweiten die Strategie dargelegt, wie dies zu erreichen sei.

Genau wie dies vor fünf Jahren geschah, als die Leitlinien der Wirtschafts- und Sozialpolitik debattiert wurden und die von jedem Teilnehmer der Treffen geäußerte Meinung, unabhängig davon ob er Parteimitglied war oder nicht, berücksichtigt wurde, soll es auch jetzt wieder sein. Um die Meinungen auf zuverlässige Art und Weise zu registrieren, hat man die notwendigen organisatorischen Maßnahmen getroffen.

Wie vom Parteitag beschlossen, wird diese Version dem Zentralkomitee zur definitiven Verabschiedung vorgelegt und der Nationalversammlung, dem legislativen Organ, dem es zukommt, es zum Gesetz zu erheben, zur Analyse übergeben.

Die aktive Teilnahme von Millionen von Kubanern, Parteimitglieder oder nicht, die zu dieser Konsultation aufgerufen sind, ist für die Konsolidierung des Konsenses um die Zukunft Kubas unerlässlich. Wie unser Erster Sekretär in seiner Rede zum Abschluss des Parteitags sagte: „Für eine Angelegenheit dieser Art ist es wesentlich, die bewusste Zustimmung der großen Mehrheit zu erreichen und deswegen ist es unerlässlich zuzuhören, zu argumentieren und die Meinung der Mitglieder und des Volkes im allgemeinen zu berücksichtigen.“

Die Jugendlichen müssen sich bewusst sein, dass in dieser Debatte die Zukunft des Vaterlandes liegt; von daher ist es wichtig und notwendig, dass sie aktiv daran teilnehmen.

Angesichts dieser breiten und nationalen Diskussion, die beginnt, mangelt es nicht an Feinden, Skeptikern, Zauderern, an denen, die sich den gegen die Partei und die Revolution gerichteten Kampagnen aus dem Ausland anschließen und denen, die davon träumen, zu einer Gesellschaft zurückzukehren, die sich den Wünschen und den Vorstellungen der Yankees unterordnet.

Aber darüber obsiegt das Vertrauen, das die gewaltige Mehrheit des Volkes in die Revolution und seine einzige Partei hat, sein Beitrag zur Bereicherung des Inhalts der zwei entscheidenden Dokumente, die die Geschicke des Landes bestimmen.

Die Durchführung dieses Prozesses wird ein bedeutsamer Schritt bei der Erfüllung der wichtigsten Aufgaben der Partei sein, wie dies der Compañero Raúl dargelegt hat: die Entwicklung der nationalen Wirtschaft, der Kampf für den Frieden, die Einheit und die ideologische Festigkeit.

Heute ist der Satz Fidels auf der Schlusssitzung des Parteitags besonders präsent: „Nehmen wir den Marsch auf und perfektionieren wir, was wir perfektionieren müssen, mit großer Loyalität und vereinten Kräften. Wie Martí, Maceo und Gómez, in unaufhaltsamen Schritt.“ Das Volk Kubas wird siegen.

Quelle: Granma

Jorgito begeistert US-Publikum

Seit dem 1. Januar 2016 ist die erweiterte Version des Films „Die Kraft der Schwachen“ über  Jorgito aus Camagüey erhältlich. Der Film zeichnet ein beeindruckendes und authentisches Portrait eines Jungen mit einer schweren körperlichen Behinderung und seinen Kampf für die Freilassung der in den USA inhaftierten Cuban Five. Nun hatte Jorgito die Möglichkeit sich und den Film in den USA vorzustellen.

BROOKLYN_COMMONS_AUDIENCE_1
Volles Haus im „Brooklyn Commons“: Arbeiterinnen und Arbeiter, Studierende, Lehrpersonen und Geistliche kamen am 23. April 2016 zusammen, um Jorgito am Tage seiner Ankunft in New York Willkommen zu heissen, „Die Kraft der Schwachen“ zu sehen und Jorgitos Worten zu lauschen. Foto: Lawrence Gallman

Die in Brooklyn ansässige unabhängige Medienorganisation Women’s Press Collective organisierte die Veranstaltungen in New York.  Dank ihrer breiten Verankerung in der Bevölkerung gelang es der Organisation, Menschen unterschiedlichster sozialer Herkunft an die Veranstaltungen zu bringen. Weitere Vorführungen wurden von Gruppen der Kubasolidarität in Washington DC im Rahmen der  Second Days of Actions Against the Blockade organisiert. Alle Veranstaltungen sollten in Anwesenheit von Jorgito und des Filmemachers stattfinden.

Obwohl Jorgito seinen Antrag auf ein Einreisevisum mehrere Wochen vor der geplanten US-Premiere auf der US-Botschaft in Havanna eingereicht hatte, kam das Visum für die in New York angesetzten Veranstaltungen zu spät. Er flog über Panama direkt nach Washington DC, wo er zwei Stunden vor der ersten Veranstaltung eintraf.

Während Jorgito in Havanna auf sein Visum wartete, nutzen die Verantwortlichen von Women’s Press Collective und Filmemacher Tobias Kriele die Gelegenheit, die widersprüchliche US-Aussenpolitik Kuba gegenüber mit dem New Yorker Filmpublikum kritisch zu beleuchten. Die von Präsident Barack Obama in seiner Rede am 22. März in Havanna angekündigte Normalisierung der Beziehungen seines Landes mit dem kubanischen Volk und seiner Jugend wurde mit dem vom US-State Department nur wenige Tage später lancierten 750’000 Dollar teuren Programm zur Ausbildung junger „Führer der kubanischen Zivilgesellschaft“ zur Farce. Mit dem Programm sollen junge KubanerInnen in die USA eingeladen und dort darin geschult werden, Organisationen der kubanischen Zivilgesellschaft zu führen, „welche die demokratischen Prinzipien in Kuba aktiv unterstützen werden“ (Granma International, April 2016, S. 8 deutsche Ausgabe). Junge Menschen wie Jorgito hingegen sind der US-Regierung weniger willkommen.

common2
Der begabte Schachspieler Jorgito (rechts im Bild) bei einem Spiel mit Women’s Press Collective Mitglied Antoinette Marie Williams, die eine Vorführung von „Die Kraft der Schwachen“ in ihrem Seniorenzentrum in Harlem organisierte (The Center at Red Oak, 25. April 2016). Foto: Natalie Alcide

Auch die irreführende Berichterstattung der Mainstreampresse zu Kuba war Diskussionsthema an den New Yorker Veranstaltungen. Anwesende bedankten sich beim Filmemacher dafür, ihnen eine ihnen unbekannte Sicht auf Kuba – diejenige der KubanerInnen – näher gebracht zu haben. Als bekannt wurde, dass Jorgito sein Visum erhalten hatte, organisierte Women’s Press Collective innerhalb weniger Tage drei zusätzliche Veranstaltungen in New York. Die Nachricht von Jorgitos Kommen löste eine regelrechte Fanbewegung aus. Zahlreiche Personen, die den Film bereits gesehen hatten, besuchten die zusätzlichen Veranstaltungen mit FreundInnen und Bekannten. Jorgito, der wie ein Held empfangen wurde, betonte dem US-Publikum gegenüber, sein Land sei weiterhin an einer Normalisierung der Beziehungen interessiert, diese müsse jedoch auf Gegenseitigkeit beruhen. Eine Zuschauerin forderte, Krieles Film müsse den Verantwortlichen in Washington gezeigt werden.

BROOKLYN_COMMONS_1
Jorgito eroberte die Herzen und den Geist des Publikums im „Brooklyn Commons“, einem Café in Brooklyn, das am 23. April 2016 die erste Präsentation von „Die Kraft der Schwachen“ in New York in Anwesenheit von Jorgito ausrichtete. Mit Jorgito auf dem Bild sind (von links nach rechts): die ehrenamtliche Dolmetscherin Liz Figueroa, Filmemacher Tobias Kriele und Women’s Press Collective Hauptverantwortliche Lisa Daniell (Moderation). Foto: Lawrence Gallman

Zahlreiche Anwesende erklärten sich bereit, die Verbreitung des Films in den USA persönlich zu unterstützen.  So wollen VertreterInnen von Schulen und Universitäten, Quartiervereinen, Jugendorganisationen, Behindertenorganisationen, Berufsverbänden im Gesundheitsbereich und Gewerkschaften künftig eigene Veranstaltungen durchführen, um den Film möglichst vielen Leuten ausserhalb der Kubasolidarität zugänglich zu machen.

Natalie Benelli / Vereinigung Schweiz-Cuba /Women’s Press Collective

Infos zum Film:

Trailer

www.kraftderschwachen.de

neue Version des Films für 15 CHF aus der Schweiz bestellen: national@cuba-si.ch

und aus Deutschland für 10 Euro: Mail an oder auf www.fgbrdkuba.de/shop/