Im Nichts gestrandet – USA werben gezielt kubanische Mediziner ab

USA werben gezielt kubanische Mediziner ab. Überläufer werden mit falschen Versprechen gelockt.

Desillusioniert in Bogotá: Kubanische Mediziner fordern am vergangenen Samstag Visa für die USA Foto: AP Photo/Ricardo Mazalan
Desillusioniert in Bogotá: Kubanische Mediziner fordern am vergangenen Samstag Visa für die USA
Foto: AP Photo/Ricardo Mazalan

Ein seit 2006 bestehendes Abwerbeprogramm für kubanische Mediziner in internationalen Hilfseinsätzen sorgt vor den Präsidentschaftswahlen in den USA für Zündstoff. Anlass sind Beschwerden angeheuerter Seitenwechsler über die angeblich schleppende Visavergabe. Eine Gruppe sitzt seit Monaten in Kolumbien fest und beklagt sich jetzt über menschenunwürdige Lebensbedingungen in einer gefährlichen Umgebung.

Man solle es sich »zweimal überlegen«, ob man sich als Mitarbeiter einer medizinischen Hilfsmission bei einer US-Botschaft meldet, um die Angebote des vom State Department und dem Ministerium für Heimatschutz verantworteten Programms »Cuban Medical Professional Parole« (CMPP) in Anspruch zu nehmen, warnte der kubanische Arzt Leandro Téllez am Freitag in der in Miami erscheinenden Tageszeitung Nuevo Herald. Reporter des stramm antikommunistischen Blattes hatten ihn in Bogotá interviewt. Téllez, der sich im Januar von einem Einsatz kubanischer Mediziner im Nordosten Venezuelas abgesetzt hatte, wartete sieben Monate auf sein Einreisevisum für die USA. Der Arzt aus der Provinz Granma haust jetzt gemeinsam mit zwölf weiteren Exkollegen in einem schäbigen Appartement in der kolumbianischen Hauptstadt. Alle hatten auf das CMPP-Programm gehofft, das mit der Zusage von Einreise- und Aufenthaltserlaubnis sowie gut bezahlten Jobs in den USA gezielt Ärzte, Krankenschwestern, Physiotherapeuten und medizinische Laboranten von der sozialistischen Karibikinsel zur Desertion animiert.

Nun sitzen sie in Bogotá fest. Die meisten sind frustriert, weil die Prüfung ihrer Visumsanträge sich hinzieht, etliche wurden bereits abgelehnt. So wie im Juli der des 37jährigen Physiotherapeuten Alexander Martínez Rojas aus Mayabeque, der im Nuevo Herald darüber klagt, mit elf weiteren Kubanern in einer winzigen Wohnung in Patio Bonito, einem der heruntergekommensten und gefährlichsten Stadtteile Bogotás, leben zu müssen. Statt für viel Geld, schöne Autos und eine komfortable Wohnung, haben die Gescheiterten ihr Leben in Kuba nun für ein unsicheres Dasein zwischen Drogenmafia, Zuhälterbanden und brutalen Straßengangs eingetauscht. Wie Nuevo Herald berichtet, vermuten die Abgelehnten, dass die US-Behörden Ärzte, Zahnärzte und hochqualifizierte Spezialisten bevorzugen, an anderem medizinischen Personal aber kein großes Interesse haben. Téllez, der vom kubanischen Staat kostenlos zum Arzt ausgebildet wurde, hatte Glück. Er darf am Dienstag nach Miami fliegen. Dennoch rät er nicht dazu, es wie er zu machen. Nach gut einem halben Jahr in Bogotá ist er pleite. Rund 2.000 US-Dollar, die er während seines Einsatzes in Venezuela gespart hatte, waren schnell weg. Danach konnte der Mediziner sich mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs gerade so über Wasser halten. Er ist froh, der Hölle von Bogotá endlich zu entkommen.

Für den rechten Flügel der Republikanischen Partei ist die Situation der Gestrandeten ein willkommenes Thema im beginnenden Präsidentschaftswahlkampf. Die kubanischstämmigen Kongressabgeordneten Ileana Ros-Lehtinen und Mario Diaz-Balart werfen der Obama-Administration vor, das von dessen Vorgänger George W. Bush 2006 initiierte Abwerbeprogramm auf dem Altar der Verhandlungen mit Kuba zu opfern.

Seit der Einsätze kubanischer Mediziner im Kampf gegen die Ausbreitung des Ebola-Virus in Westafrika, bei der Soforthilfe nach dem Erdbeben in Nepal sowie in zahlreichen anderen Krisenregionen nimmt jedoch gleichzeitig der innenpolitische Druck auf Obama zu, die Aktivitäten zur Destabilisierung Kubas einzustellen. Die konservative Tageszeitung Wall Street Journal hatte das CMPP-Programm bereits im Januar 2011 als Relikt des Kalten Krieges bezeichnet. Und die Herausgeber der einflussreichen New York Times mahnten im Oktober 2014 in einem Leitartikel über »Kubas beeindruckende Rolle« beim Ebola-Einsatz: »Die Arbeit der kubanischen Mediziner unterstützt die weltweiten Anstrengungen und sollte deswegen anerkannt werden.« Das Abwerbeprogramm signalisiert jedoch das Gegenteil davon und belastet zudem die Gespräche zur weiteren Normalisierung. Havanna hat mehrfach deutlich gemacht, dass es keine gleichberechtigten Beziehungen zwischen beiden Ländern geben könne, solange das Programm aktiv ist.

Volker Hermsdorf, Junge Welt

Kuba – Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDR)

Die CDR ent­stan­den zur Ab­wehr von kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­ren Ak­tio­nen. In­zwi­schen er­fül­len sie eine Reihe von Auf­ga­ben, die weit über ihre ur­sprüng­li­che Funk­ti­on als „Auge und Ohr“ der Re­vo­lu­ti­on gehen.

Logo des Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDR)
Logo des Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDR)

„Wir wer­den den An­grif­fen des Im­pe­ria­lis­mus ein Sys­tem der kol­lek­ti­ven re­vo­lu­tio­nä­ren Wach­sam­keit ent­ge­gen­set­zen, denn wenn sie den­ken, sie könn­ten das Volk be­sie­gen, wer­den sie eine schreck­li­che Nie­der­la­ge er­le­ben! Sie wer­den sehen, dass – wenn die Volks­mas­se sich or­ga­ni­siert – es kei­nen Im­pe­rialis­mus, keine La­kai­en der Im­pe­ria­lis­ten, keine In­stru­men­te des Im­pe­ria­lis­mus gibt, die sich be­we­gen kön­nen!“ Mit die­sen Wor­ten hat Fidel Cas­tro nach Spreng­stoff­an­schlä­gen am 28. Sep­tem­ber 1960, rund ein­ein­halb Jahre nach der Re­vo­lu­ti­on, die Grün­dung der Comités de De­fen­sa de la Re­vo­lu­ción (CDR) be­kannt ge­ge­ben.

Die „Ko­mi­tees zur Verteidigung der Re­vo­lu­ti­on“ wur­den als Nach­bar­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen for­miert, die als „Auge und Ohr“ der kom­mu­nis­ti­schen Par­tei fun­gie­ren, um bei ver­däch­ti­gen Vor­komm­nis­sen die re­vo­lu­tio­nä­re Po­li­zei zu rufen. Die An­ge­hö­ri­gen der CDRs waren zu kei­nem Zeit­punkt als be­waff­ne­te Ein­hei­ten im Kampf gegen Kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­re vor­ge­se­hen. Nach der ver­hin­der­ten US-In­va­si­on bei der Schwei­ne­bucht und dem damit ein­her­ge­hen­den Rück­gang der Ter­ror­ak­te ver­la­ger­te sich das Tä­tig­keits­feld zu­neh­mend auf so­zia­le As­pek­te der Nach­bar­schafts­ar­beit.

Ku­ba­ne­rIn­nen kön­nen ab dem 14. Al­ters­jahr in ein CDR ein­tre­ten, rund 85% der vom Alter her Be­rech­tig­ten sind in einem der 138.000 CDRs or­ga­ni­siert, die je nach lo­ka­ler Bau­wei­se einen Wohn­block oder einen Stras­sen­zug um­fas­sen. 58% der Or­ga­ni­sier­ten sind dabei Frau­en. Da­ne­ben gibt es teil­wei­se auch Kin­der­or­ga­ni­sa­tio­nen. Mehr als die Hälf­te der CDR-Mit­glie­der sind auch in der kom­mu­nis­ti­schen Par­tei oder im kom­mu­nis­ti­schen Ju­gend­ver­band or­ga­ni­siert. Die na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­ti­on ist hier­ar­chisch über „Zonen“ (Der Zu­sam­men­schluss von drei bis 15 CDRs) auf Ge­mein­de-, Pro­vinz- und na­tio­na­ler Ebene struk­tu­riert. In der Ver­wal­tung der CDR ar­bei­ten rund 2.000 be­zahl­te Per­so­nen, alle an­de­ren Ämter in­ner­halb der CDRs wer­den alle zwei­ein­halb Jahre über of­fe­ne Wah­len ver­ge­ben und auf frei­wil­li­ger Basis über­nom­men. Die ver­schie­de­nen Funk­tio­nen glei­chen den­je­ni­gen eines Quar­tier­ver­eins. Alle zwei Mo­na­te, bei dring­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten auch häu­fi­ger, gibt es eine CDR-Sit­zung.

Ar­beit

Die CDRs über­neh­men unter an­de­rem die lo­ka­le Or­ga­ni­sa­ti­on von Wah­len, Blut­spen­de- und ande­re ge­sund­heits­po­li­ti­schen Ak­tio­nen, or­ga­ni­sie­ren im Ver­bund mit an­de­ren CDRs Ju­gend­räu­me und Sport­plät­ze und über­neh­men Rei­ni­gungs- und Re­cy­cling­ar­bei­ten im Quar­tier.

Die CDRs, die einen Wohn­block or­ga­ni­sie­ren, fun­gie­ren zudem als erste An­sprech­stel­le bei Pro­ble­men wie einem Was­ser­rohr­bruch oder Bau­schä­den, neh­men eine erste Ana­ly­se vor und ko­or­di­nie­ren die Ar­beit mit den zu­stän­di­gen staat­li­chen Stel­len. Damit agie­ren sie als Schnitt­stel­le zwi­schen der Be­völ­ke­rung und den Be­hör­den, was an­ge­sichts der oft­mals aus­ufern­den Bü­ro­kra­tie eine sehr wich­ti­ge Auf­ga­be ist. Die Kos­ten für not­wen­di­ge Mass­nah­men wer­den zu einem gros­sen Teil vom Staat über­nom­men, der Rest wird so­li­da­risch auf die be­trof­fe­nen Be­woh­ne­rIn­nen ver­teilt. So­li­da­risch be­deu­tet in die­sem Zu­sam­men­hang, dass Leute mit fi­nan­zi­el­len Pro­ble­men sich nicht be­tei­li­gen müs­sen. Ein wei­te­res Auf­ga­ben­ge­biet der CDRs ist die po­li­ti­sche Bil­dung. Da­durch wer­den die Per­so­nen­grup­pen, die nicht über die Ge­werk­schaft, die Stu­den­ten­or­ga­ni­sa­ti­on, die Frau­en­or­ga­ni­sa­ti­on oder in einer an­de­ren Form in den po­li­ti­schen Pro­zess ein­ge­bun­den sind, an ak­tu­el­len Dis­kus­sio­nen be­tei­ligt.

Eine wei­te­re Auf­ga­be der CDRs ist das Or­ga­ni­sie­ren von Frei­wil­li­gen­ar­beit. Dies be­trifft so­wohl die Ar­beit im Quar­tier, wie Bäume pflan­zen oder an­de­re Ar­bei­ten zur Ver­schö­ne­rung der Um­ge­bung, als auch die Mit­hil­fe bei land­wirt­schaft­li­chen Auf­ga­ben, sowie frü­her auch am Stras­sen­bau. In Frei­wil­li­gen­ar­beit und von den CDR ko­or­di­niert wer­den Heil­pflan­zen­gär­ten und Fa­mi­li­en­gär­ten an­ge­legt. Eben­falls in Frei­wil­li­gen­ar­beit er­stel­len viele CDRs ein Lo­kal­mu­se­um.

Da viele Ar­bei­ten von den Be­woh­ne­rIn­nen in den Wohn­blö­cken selbst aus­ge­führt wer­den, ist eine hohe Wert­schät­zung und Stolz für diese fühl­bar. So sind zum Bei­spiel die öf­fent­li­chen Stras­sen und Plät­ze auf Kuba ex­trem sau­ber. Die Au­to­rIn­nen die­ses Ar­ti­kels konn­ten selbst er­le­ben, dass Tou­ris­tIn­nen, die Ab­fall auf den Boden war­fen, von Ku­ba­ne­rIn­nen nicht über­trie­ben freund­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wur­den, dass sie ihren Ab­fall doch in die be­reit­ste­hen­den Müll­ei­mer wer­fen sol­len, da die Stras­sen sich nicht von selbst rei­nig­ten.

Für ge­leis­te­te Ar­bei­ten gibt es für die Ku­ba­ne­rIn­nen Aus­zeich­nun­gen, meist in Form von Me­dail­len. Diese wer­den für be­son­de­re Diens­te an der Ge­sell­schaft ver­lie­hen, zum Bei­spiel für re­gel­mäs­si­ges Blut­spen­den oder die Mit­hil­fe bei der Al­pha­be­ti­sie­rungs­kam­pa­gne.

Si­cher­heit

Neben der so­zia­len Ar­beit bleibt wei­ter­hin die Si­cher­heit eine Auf­ga­be der CDRs. Durch die lo­ka­le Or­ga­ni­sa­ti­on der CDRs er­gibt es sich, dass die Leute sich meist von klein an ken­nen(1). Da­durch wird ein Ab­rut­schen von Per­so­nen in kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­re Krei­se sehr schnell er­kenn­bar. Es gibt keine heim­li­che Be­spit­ze­lung, und die In­for­ma­tio­nen wer­den im Nor­mal­fall nicht zen­tral nie­der­ge­schrie­ben, son­dern die Nach­bar­schaft über­nimmt im ver­trau­ten Kreis die Funk­ti­on, kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­re Ak­ti­vi­tä­ten zu er­ken­nen, und diese im Zwei­fels­fall den Be­hör­den zu mel­den. Aus­ser­dem wer­den wei­ter­hin nächt­li­che Pa­trouil­len ent­sandt, die in der Regel ruhig ver­lau­fen, und auch mehr auf die Ent­de­ckung von kri­mi­nel­len Akten aus­ge­rich­tet sind.

Durch die star­ke Ver­an­ke­rung der Ar­beit der CDRs, und auch durch die Of­fen­heit die­ser Ar­beit kön­nen die CDRs auf eine brei­te Mit­hil­fe zäh­len und rufen bei der Be­völ­ke­rung po­si­ti­ve Ge­füh­le her­vor.

An­mer­kung: (1) In Kuba gehen Miet­woh­nun­gen, nach­dem über den sub­ven­tio­nier­ten Miet­preis die Bau­kos­ten ab­be­zahlt wur­den, in den Be­sitz der Mie­te­rin­nen über und kön­nen auch ver­erbt wer­den.

Einen weiteren spannenden Erfahrungsbericht zu diesem Thema findet ihr bei „Berichte aus Havanna“ . Eine kleine Zusammenfassung über die verschiedenen kubanischen Massenorganisationen findet ihr am Ende des Artikels „Der Propagandakrieg der USA und die kubanische Zivilgesellschaft“

(kubainfos, rabs / ag­kkbs, www.aufbau.org)

Skandalös tendenziöses Schweizer Fernsehen

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Heute veröffentlichen wir einen Beitrag von der Vereinigung Schweiz-Cuba über die Berichterstattung des öffentlichen rechtlichen Schweizer Fernsehen:

“US-Cops haben dieses Jahr bereits 710 Bürger getötet”
(20Minuten am 15. August 2015)
“Bush kann sich Folter wieder vorstellen”
(TagesAnzeiger/BernerZeitung/Basler Zeitung 14. August 2015)
Nirgends in der Welt sitzen mehr Leute im Gefängnis wie in den USA
(siehe statista.com).

John Kerry, der Aussenminister eben dieser “Demokratie” USA kommt zur Botschaftseröffnung erstmals nach Kuba und fordert “echte Demokratie in Kuba”. Eine solche Wortwahl und Stimmungsmache weicht in keiner Weise von der seit Jahr und Tag gepflegten medialen Subversion des Imperiums gegenüber der Antilleninsel ab und passt in keiner Weise zu einer ehrlichen Annäherung.

Dass auch die redaktionelle Linie der führenden Privatmedien in der Schweiz in völligem Einklang mit dem NED (National Endowment for Democracy) , einer CIA-Tarnorganisation (“Eine Menge von dem, was wir heute tun, wurde vor 25 Jahren von der CIA verdeckt getan.” Washington Post, 21.09.1991) verläuft, spricht für sich, aber sicher nicht für eine Unabhängigkeit dieser Medien…

Wie nun aber auch das öffentlich-rechtliche Schweizer Fernsehen in seiner “10 vor 10″-Ausgabe vom Freitag, 14. August 2015 völlig unkritisch und  hörig das US-amerikanische Verständnis von “Menschenrechten, Demokratie und Meinungsäusserungsfreiheit” vermittelt, ist ein Skandal und wird den eigenen, in den “Publizistischen Leitlinien” formulierten Ansprüchen in keiner Weise gerecht: “Sachgerecht ist die Berichterstattung, wenn sie alle verfügbaren Fakten in Betracht zieht und nur darstellt, was nach bestem Wissen und Gewissen für wahr gehalten wird. Sachgerechtigkeit setzt bei den Journalistinnen und Journalisten Sachkenntnis und Kompetenz voraus.”

In vorgebenem Jargon vermittelt der in den USA stationierte “SRF-Sonderkorrespondent”
– offensichtlich bar jeglicher Landeskenntnisse – gängige Clichés:”Wohin das Ganze gehen wird, wenn sich ein kommunistisches Regime ein bisschen öffnet” wisse man natürlich nicht…

Im umfangreichen Beitrag in “10 vor 10″ werden nur die immergleichen, vom und im Ausland aufgebauten “Dissidentinnen” porträtiert und interviewt. Obwohl immer wieder die Formulierung “viele Kubaner” verwendet wird, kommt kein einziger von ihnen zu Wort.

Abschliessend soll die Behauptung, das kubanische Volk sei “unterdrückt und nicht frei” noch wissenschaftlich untermauert werden, indem eine Assistentin der Uni Bern unüberprüfte Daten von angeblichen Verhaftungen und politischen Gefangenen von sich gibt. Es sind solche Daten, wie sie jeweils exakt von  “Dissidenten” wie den Damas en blanco geliefert werden. Daten und Taten, für die diese Damen erwiesenermassen aus dem Ausland bezahlt werden. Im Bericht unerwähnt bleibt, dass sich diese “Damas” genau wegen solcher Entlöhnung auch noch verkracht haben. Zankende Damen in Weiss und Polemik um die Protestgrupe Damen in Weiss

Die Kompetenz der Uni-Assistentin stützt sich notabene auf Forschungsschwerpunkte wie “US-Latin American Relations”…

Wie sagt doch der englische Historiker Tariq Alí: „Für die überwältigende Zahl der Journalisten im Westen, ganz zu schweigen von der Minderheit, die direkt mit den Geheimdiensten verbunden ist, gibt es nur ein massgebliches Kriterium für die Beurteilung eines Regimes, und das ist nicht etwa seine Menschenrechtsbilanz, sondern die Tatsache, ob es ein Freund oder ein Gegner des „Washington Consensus“ ist.

Und so übernimmt SRF auch im Falle von Kuba willfährig ein Feindbild, wie es von den USA vorgezeichnet wird.

Vereinigung Schweiz-Cuba/swa

http://www.cuba-si.ch

Sternenbanner in Havanna

US-Außenminister zu Besuch in Kuba. Wirtschaftsblockade bleibt Hindernis für Annäherung

Bauen an neuen Beziehungen: Vor der US-Botschaft in Havana bereiten Arbeiter am Mittwoch den Besuch von US-Außenminister Kerry vor Foto: EPA/Alejandro Ernesto/dpa - Bildfunk
Bauen an neuen Beziehungen: Vor der US-Botschaft in Havana bereiten Arbeiter am Mittwoch den Besuch von US-Außenminister Kerry vor
Foto: EPA/Alejandro Ernesto/dpa – Bildfunk

Mit dem ersten Besuch eines US-amerikanischen Außenministers seit 1945 fügt John Kerry den als historisch bezeichneten Ereignissen in Kuba heute ein weiteres hinzu. Washingtons Chefdiplomat will die wiedereröffnete Botschaft seines Landes mit einem Festakt offiziell einweihen. Havanna hatte seine diplomatische Vertretung in der US-Hauptstadt bereits am 20. Juli mit einer feierlichen Flaggenzeremonie in Betrieb genommen.

Für Kerrys eintägige Stippvisite sieht das Protokoll einen dichtgedrängten Zeitplan vor. Nach Landung der Sondermaschine auf dem Flughafen José Martí steht am Morgen (Ortszeit) das Hissen des Sternenbanners vor der US-Botschaft am Malecón auf dem Programm. Nach Einweihung der Botschaft wollen Kerry und sein Amtskollege Bruno Rodríguez zu einem erneuten Meinungsaustausch über die weiteren Schritte im Normalisierungsprozess zusammentreffen. Beobachter in Havanna erwarten eine gemeinsame Pressekonferenz beider Außenminister. Kerry, heißt es, habe die kubanischen Gastgeber zudem um die Möglichkeit eines kurzen Spaziergangs in Havanna gebeten.

Zu den geladenen Gästen gehört auch der Schweizer Außenminister Didier Burkhalter. Bis dato spielte die Alpenrepublik im Verhältnis beider Länder eine besondere Rolle. Nachdem die USA 1961 die diplomatischen Beziehungen zu Kuba einseitig abgebrochen hatten, existierten zwischen 1977 und dem 20. Juli 2015 lediglich Interessenvertretungen der beiden Länder in Washington und Havanna. Diese standen unter dem Schutzmandat der Schweiz. Nichtsdestotrotz hatten die USA mehrfach Strafgelder in Millionenhöhe über eidgenössische Banken verhängt, die finanzielle Transaktionen mit Bezug zu Kuba getätigt und sich damit vermeintlicher Verstöße gegen die von den USA verhängte Wirtschaftsblockade schuldig gemacht hatten.

Heftige Angriffe auf die Kubapolitik der Obama-Administration kamen vom rechten Flügel der Republikaner in den USA. Besonders legte sich dabei Senator Marco Rubio aus Florida ins Zeug, der für seine Partei als Kandidat bei der US-Präsidentschaftswahl im November 2016 antreten möchte. Wie AP am Mittwoch meldete, ist Rubio vor allem erbost darüber, dass zur offiziellen Feier in der US-Botschaft keine Systemgegner eingeladen wurden. »Sie, und nicht die Familie Castro« seien »die legitimen Repräsentanten des kubanischen Volkes«, behauptete Rubio. Laut Agentur hatte bis gestern auch die sonst von Washington hofierte Bloggerin Yoani Sánchez keine Antwort auf ihr Akkreditierungsgesuch als Journalistin erhalten. Das State Department will zwar bei der ursprünglichen Gästeliste für den Festakt bleiben, scheint dem Druck der Rechten jedoch auf andere Art nachzugeben. Der in Miami erscheinenden Tageszeitung Nuevo Herald zufolge plant Kerry für den heutigen Nachmittag in der Residenz des US-Botschafters ein Treffen mit einem kleinen Kreis von »Aktivisten« sowie eine gesonderte Flaggenzeremonie.

Wie AFP am vergangenen Samstag vermeldete, ist es in Havanna bereits zu Protesten einer Gruppe militanter Gegner der kubanischen Verfassung gekommen. Die Teilnehmer, bei denen es sich größtenteils um Mitglieder der von der EU und den USA hofierten Gruppe »Damen in Weiß« handelte, protestierten mit Obama-Masken gegen die Botschaftseröffnung und für die Beibehaltung der von den USA gegen Kuba verhängten Sanktionen. Die große Mehrheit der Bevölkerung in Kuba und in den USA begrüßt laut Umfragen derweil die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen und spricht sich für die Beendigung der seit 1962 gegen die sozialistische Karibikinsel verhängte Blockade aus.

Aus kubanischer Sicht stellt eben jene Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade das größte Hindernis für die Normalisierung der Beziehungen beider Länder dar. Havanna besteht zudem auf Rückgabe des von den USA besetzten Gebietes in der Bucht von Guantánamo und fordert die Einstellung der von Washington finanzierten illegalen Radio- und Fernsehübertragungen, die Beendigung von Programmen zur Förderung der Subversion und Destabilisierung im Inneren sowie eine Entschädigung für die Schäden, die durch Anschläge und Blockade von den USA in Kuba verursacht wurden.

Von Volker Hermsdorf

https://www.jungewelt.de/2015/08-14/036.php

„Die Wirklichkeit und die Träume“ (Brief von Fidel an seinem 89. Geburtstag)

Der historische Führer der kubanischen Revolution macht deutlich, dass wir niemals im Kampf für den Frieden und das Wohlergehen aller Menschen nachlassen sollen, unabhängig von ihrer Hautfarbe oder dem Land ihrer Herkunft

Autor:

Zu schreiben ist eine Art nützlich zu sein, wenn man in Betracht zieht, dass unsere leidgeprüfte Menschheit angesichts der unglaublichen Ignoranz, die uns alle umgibt, mit Ausnahme der Forscher, die in den Wissenschaften eine befriedigende Antwort suchen, besser und umfangreicher gebildet sein sollte. Ein Wort schließt in wenigen Buchstaben seinen unendlichen Inhalt ein.

Wir haben alle in unserer Jugend einmal von Einstein gehört, besonders nach der Explosion der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki, die dem grausamen Krieg zwischen Japan und den Vereinigten Staaten ein Ende setzte. Als in dem Krieg, der durch den Angriff auf die Basis der Vereinigten Staaten in Pearl Harbor ausgelöst wurde, jene Bomben geworfen wurden, war das japanische Kaiserreich bereits besiegt. Da das Territorium der Vereinigten Staaten und ihre Industrien von dem Krieg nicht in Mitleidenschaft gezogen waren, wurden sie , angesichts einer Welt der Zerstörung, voll von Toten, Verletzten und Hungernden, zum reichsten und am besten bewaffneten Land der Erde. In der UdSSR und China haben zusammengenommen 50 Millionen Menschen ihr Leben verloren, hinzu kam eine gewaltige materielle Zerstörung. Fast alles Gold der Welt landete in den Truhen der Vereinigten Staaten. Heute schätzt man, dass die Goldwährungsreserven dieses Landes sich insgesamt auf   8.133,5 Tonnen belaufen. Trotzdem haben die Vereinigten Staaten die in Bretton Woods unterschriebenen Vereinbarungen in Stücke zerrissen und einseitig erklärt, dass sie sich nicht länger dazu verpflichten, ihre Papierwährung durch die Feinunze Gold zu stützen.

Diese von Nixon angeordnete Maßnahme verletzte alle von Präsident Franklin Delano Roosevelt eingegegangenen Verpflichtungen. Nach Meinung einer hohen Anzahl von Experten auf diesem Gebiet schufen sie so die Grundlage für eine Krise, die neben anderen Unglücken droht, dem Wirtschaftsmodell des Landes einen schweren Schlag zu versetzen.

Währenddessen schuldet man Kuba Ausgleichssummen für Schäden, die sich auf viele Millionen Dollar belaufen, wie unser Land mit unwiderlegbaren Argumenten und Daten in allen seinen Beiträgen in den Vereinten Nationen vorgebracht hat.

Wie von der Partei und der Regierung Kubas deutlich herausgestellt wurde, werden wir als Zeichen des guten Willens und des Friedens zwischen allen Ländern dieser Hemisphäre und der Gesamtheit der Völker, die in der Menschheitsfamilie vereint sind, dazu beitragen, das Überleben unser Gattung auf dem bescheidenen Raum, der uns innerhalb des Universums zusteht, zu gewährleisten und nie nachlassen, für den Frieden und das Wohlergehen aller Menschen zu kämpfen, unabhängig von ihrer Hautfarbe oder dem Land ihrer Herkunft, sowie für das uneingeschränkte Recht aller, einen religiösen Glauben zu haben oder keinen religiösen Glauben zu haben.

Die Gleichheit aller Bürger bei ihrem Anspruch auf Gesundheit, Bildung, Arbeit, Ernährung, Sicherheit, Kultur, Wissenschaft und Wohlergehen, d.h. die gleichen Rechte, die wir proklamierten, als wir mit unserem Kampf begannen, zusätzlich zu denen, die aus unseren Träumen entstehen, wie Gerechtigkeit und Gleichheit für alle Bewohnder unserer Welt, das ist das, was ich allen wünsche. Denen, die die gleichen Ideen vollständig oder teilweise teilen, oder herausragendere, die in die gleiche Richtung weisen, sage ich Dank, meine lieben Landsleute.

Fidel Castro Ruz

August 13, 2015

1:23 a.m.

Palma Soriano feiert das 55 Jahre Jubiläum der FMC (Föderation der kubanischen Frauen)

Natürlich finden im ganzen Land Aktivitäten und Feierlichkeiten zum 55 Jahre Jubiläum der FMC statt. Da man im deutschsprachigen Raum leider fast nur Nachrichten aus Havanna liest, wird in diesem kleinen Artikel über die Aktivitäten in Palma Soriano berichtet.

Das Buch über Vilma Espin:
Das Buch über Vilma Espin: „el fuego de la Libertad“. Vorerst gibt es noch keine englische oder deutsche Übersetzung zum Buch

Die Freude bei allen Mitgliedern der FMC  steigt, denn der 55. Jahrestag der Gründung des kubanischen Frauenverbandes rückt immer näher. In Palma Soriano, einer Stadt in der Nähe von Santiago de Cuba, fanden schon die ersten Aktivitäten zu diesem Jubiläum statt.

Als Auftakt gab es in der Geburtsklinik „Mariana Grajales Coello“  verschiedene Veranstaltungen zum Thema „mütterliches Stillen“. Auch eine neue Anlaufstelle wo sich werdende Mütter informieren können wurde geschaffen.

Am 21. August 2015 findet dann die grosse Jubiläumsfeier statt. Du diesem Anlass wird das neue Buch über Vilma Espin, „El fuego de la Libertad“ feierlich präsentiert werden. Unter Anderem mit einer Vorlesung, die auch Fidel Castros Gedanken zum Buch beinhalten werden. Anschliessend gibt es ein Fest bei dem alle Frauen und solidarischen Männer aus Palma Soriano eingeladen sind.

Übersicht über die verschiedenen kubanischen Massenorganisationen
Übersicht über die verschiedenen kubanischen Massenorganisationen.

(kubainfos)

Der richtige Weg (Elián González)

Vor 15 Jahren kehrte der kleine Junge Elián González aus den USA nach Kuba zurück. Heute ist das damalige Kind ein überzeugter Revolutionär

Elián González 2010 in Havanna Foto: REUTERS/Adalberto Roque/Pool
Elián González 2010 in Havanna
Foto: REUTERS/Adalberto Roque/Pool

Mitte Juli fand in Havanna der zehnte Kongress des kubanischen Kommunistischen Jugendverbandes (UJC) statt. Zu den Delegierten der Provinz Matanzas gehörte Elián González, der als Kadett der kubanischen Streitkräfte an der Camilo-Cienfuegos-Universität von Matanzas studiert, um anschließend als Industrieingenieur eine Laufbahn in der Armee einzuschlagen. International bekannt wurde der junge Mann vor anderthalb Jahrzehnten, als der damals Fünfjährige in das Zentrum monatelanger Auseinandersetzungen zwischen den USA und Kuba geriet.

Das Drama, dessen Zeuge die Welt damals wurde, ist ohne die Migrationspolitik der USA in den 90er Jahren nicht zu verstehen. Wegen der durch den Zusammenbruch der sozialistischen Staaten ausgelösten und durch die Blockade der Insel durch Washington verschärften Wirtschaftskrise wollten nicht wenige Menschen ihr Glück in den USA versuchen. Doch die Interessenvertretung Washingtons in Havanna gewährte nur wenigen Antragstellern Visa für die legale Einreise. Zugleich aber garantierte das US-Gesetz »Cuban Adjustment Act« jedem Kubaner ein Aufenthaltsrecht in den Vereinigten Staaten, wenn er das Territorium des Landes erreichte. Konkret zwangen die US-Behörden damit die Menschen zu einer gefährlichen Reise über das Meer. US-Propagandasender heizten die Lage weiter an, indem sie die Gefahren der Überfahrt kleinredeten. So aufgehetzt, überfielen Kriminelle mehrere Fähren, um sie in die USA zu entführen. Andere wagten die Überfahrt in alten Booten oder gar an Autoreifen geklammert. Wie viele von ihnen diesen Versuch mit ihrem Leben bezahlten, ist unbekannt – die Zahl dürfte in die Tausende gehen.

Eines dieser Opfer war die Mutter von Elián González, Elizabeth Brotons. Ende 1999 lebte sie getrennt vom Vater des kleinen Jungen, Juan Miguel González, bei dem Elián die meiste Zeit lebte. Am 21. November des Jahres holte Brotons ihren Sohn bei seinem Vater ab – angeblich zu einem Picknick. Tatsächlich jedoch ging sie mit dem Kind und ihrem neuen Lebensgefährten sowie etwa zehn weiteren Menschen an Bord eines kleinen, altersschwachen Bootes, um die Überfahrt in die USA zu wagen. Auf hoher See geriet das Boot in ein Unwetter und sank. Nur drei der an Bord befindlichen Menschen überlebten die Katastrophe. Einer von ihnen war Elián, der sich an einen Autoreifen klammern konnte und tagelang im Meer trieb. Am 25. November wurde er von Fischern gerettet und an Land gebracht. Im Krankenhaus suchte ihn sein schon lange in den USA lebender Großonkel Lázaro González auf, der ihn zuvor nur einmal im Leben gesehen hatte. Er beantragte bei den Behörden, dem Jungen ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht für die Vereinigten Staaten zu gewähren. Eliáns Vater forderte jedoch, das Kind zu ihm zurückzuschicken. Er bat die Regierung in Havanna um Hilfe, weil die Mutter den Jungen entführt habe. Das kubanische Außenministerium kontaktierte daraufhin die US-Behörden, doch diese lehnten es zunächst ab, das Kind nach Hause zu lassen.

Daraufhin begann in Kuba eine großangelegte Kampagne. Der damalige Präsident Fidel Castro stellte sich an die Spitze einer Massenbewegung, die zu Hunderttausenden auf die Straße ging, um die Rückkehr des Jungen zu fordern.

Am 5. Januar entschied die US-Einwanderungsbehörde, dass Elián seinem Vater zurückgegeben werden solle. Doch die von den antikommunistischen Gruppierungen in Miami unterstützte Familie des Großonkels verhinderte die Ausreise durch juristische Manöver. Eine Familienrichterin sprach Lázaro González das Sorgerecht für Elián zu und verhinderte so zunächst die Umsetzung der Regierungsentscheidung.

Am 6. April durfte Eliáns Vater in Begleitung seiner neuen Frau und seines sechs Monate alten Sohnes in die USA reisen. Die Kubanisch-Amerikanische Nationalstiftung (CANF) und andere antikommunistische Gruppen äußerten öffentlich die Hoffnung, dass Juan Miguel González sich »ohne den Druck, den bisher das castristische Regime auf ihn ausgeübt hat« dazu entschließen könnte, selbst in den USA zu bleiben. Doch der blieb sich und seiner Heimat treu.

Nachdem es bei wochenlangen Verhandlungen keine Fortschritte gab, stürmten am 22. April bewaffnete Einheiten der US-Einwanderungsbehörde das Haus der exilkubanischen Verwandtschaft in Miami und holten den Jungen heraus. Einen Tag später, am Ostersonntag des Jahres 2000, konnte Juan Miguel González seinen Sohn wieder in die Arme schließen. Die Familie wurde auf einem US-Militärgelände in Wye River von der Öffentlichkeit abgeschottet untergebracht, während die juristischen Auseinandersetzungen weitergingen. Erst am 28. Juni endete das Tauziehen, als der Supreme Court eine letzte Eingabe gegen die Ausreise Eliáns ablehnte. Noch am Nachmittag desselben Tages verließ Elián mit seinem Vater, dessen Frau und kleinem Sohn Washington mit Ziel Kuba, wo er am Abend landete.

15 Jahre später berichtete der inzwischen 21jährige Elián González im Gespräch mit Radio Rebelde, dass er bei der Ankunft am Flughafen von Havanna zu seinem Vater gesagt habe, dass er wieder in Kuba sein wolle. Kuba war für ihn damals seine Heimatstadt Cárdenas. »Ich verstand nicht, was passierte. Ich wollte nur zu Hause sein, jeden Tag die gewohnten Menschen und meine Freunde sehen.« Auch heute noch zeigt er sich beeindruckt von der damaligen Massenbewegung in seiner Heimat: »Ein ganzes Volk, die Kinder, sind auf die Straße gegangen, um zu fordern, dass ich heimkehre«, sagte er Ende Juni. »Diese Kinder kannten mich nicht, und so ist die Verpflichtung sehr groß, und dieser muss ich das ganze Leben lang konsequent folgen. Wann immer mich das kubanische Volk und vor allem die Revolution braucht, bin ich da.« Elián ist aktiv in den Komitees zur Verteidigung der Revolution und im Kommunistischen Jugendverband. Er hat sich für eine Laufbahn in der kubanischen Armee entschieden. Im Dezember 2013 führte er die kubanische Delegation bei den Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Quito an und prangerte bei dem in deren Rahmen stattfindenden Antiimperialistischen Tribunal die Blockade der USA gegen seine Heimat an. »Mein Papa hat Millionen von Dollar ausgeschlagen, nur um mit seinem Sohn im Heimatland leben zu können«, sagte er in dem Gespräch mit Radio Rebelde. »Die Liebe eines Volkes ist eine moralische Frage, eine Frage der Aufrichtigkeit. Und das bedeutet auch, Revolutionär zu sein. Das ist der richtige Weg.«

(von André Scheer aus der ALBA Sonderbeilage der jungen Welt)

Anmerkung von Kubainfos: An der Migrationspolitik der USA hat sich seit den 90er Jahren wenig geändert. Noch immer ist die „Wet feet, dry feet policy“ in Kraft. Das heißt, dass Kubaner die es über das Meer bis ans Trockene der USA schaffen im Gegensatz zu allen Anderen Nationen der Welt eine Aufenthaltsgenehmigung und finanzielle Unterstützung inklusive einer Bleibe für rund ein Jahr erhalten. Kubaner die es nicht bis ans Land schaffen und auf dem Meer aufgegriffen werden, werden zurückgeschickt.